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Die Lokalnachrichten für Berlin-Pankow

Bauen

Folge 9

Gern weilten die Hohenzollern in Pankow, was dafür spricht, daß Pankow in seiner Umgebung damals sehr anziehend gewesen sein muß. Johann Cicero (1486–99) besaß am Rande des Eichwaldes unmittelbar an der Panke einen Vogelherd. Die letzten Reste desselben sind erst 1908 bei dem Ba…

10.12.2022·Redaktion

Gern weilten die Hohenzollern in Pankow, was dafür spricht, daß Pankow in seiner Umgebung damals sehr anziehend gewesen sein muß. Johann Cicero (1486–99) besaß am Rande des Eichwaldes unmittelbar an der Panke einen Vogelherd. Die letzten Reste desselben sind erst 1908 bei dem Bau des Krankenhauses verschwunden, an dessen Westgrenze er lag. Es war eine künstlich geschaffene, durch einen Wassergraben von der Panke her umgebene Insel. Von Interesse ist, was hierüber in der Microcronicum Marchicum des Rektors zu Berlin, Peter Hafft (Petrus Hafftitius) 1594 berichtet wird: [1]

Anno Christi 1486 den 11 Martii ist zu Frankfurt am Main Markgraf Albrecht, der deutsche Achilles, Churfürst zu Brandenburg seines alters 72 Jahr gestorben und ist an seiner statt Churfürst worden sein Sohn Markgraf Johannes welcher von Churfürsten dieses Stammes in der Mark zum ersten Hoff gehalten hat und weil er große Lust zum Weidewerk gehabt, hat er beim Dorffe Panckow, eine halbe Meile von Berlin gelegen, seine Vogelhert gehabt, auch ein schönes Haus in Holzwerck mit zwei Erckern und einem breiten Wassergraben daselbst machen lassen, auch halbe Merkische Gröschlein müntzen lassen, welche man die Pankowischen groschlein genannt hat und für wenige Jahren noch sind ganggebe gewesen, sind aber wegen ihres guten Schrodts und Korns von Granulierern aus dem Mittel getan, daß man selten eins zu sichte bekumt. Das haus ist hernach verschenkt, abgebrochen und steht heutigestags noch zu Berlin hinter Nickel Köckeritzes haus an der Sprewe (al: Dr. Bartels hawß in der heil geiststraßen) und der Wall darauf das Haus gestanden mit dem Wassergraben ist noch zu Panckow zu sehen.“

Eine diesem Vogelherd ähnliche Nachahmung, eine Insel mit Graben, befand sich anfangs des 19. Jahrhunderts auf dem Brunzlowschen Grundstück, dem alten Garten des Lehnschulzenhofes, an der Breiten und Berliner Straße; diese Nachahmung wurde fälschlich für den historischen Vogelherd gehalten. Der Vogelherd lag nicht   i m   Dorf, sondern   b e i   dem Dorf. Die Anlage eines Vogelherdes auf dem Schulzenhof war auch sehr unwahrscheinlich, dagegen an der fließenden Panke und am Waldesrand friedlich und still gelegen. In einer Vernehmung 1725 (Amt Mühlenhof, Dom. 47, Nr. 3) wird die Lage des Finkenherdes ebenso angegeben: Das kleine Inselchen liegt im Feld.“Auch die Separationskarte von 1822 zeichnet sie an dieser Stelle. In diesem Erkerhaus hat Johann Cicero viel und gern geweilt, auch manche Regierungsgeschäfte erledigt. Er unterzeichnete in Pankow 1495 eine Urkunde für die Gräfin Anna von Ruppin,[2] 27.3.95 eine Urkunde an Georg von Stein,[3] 7.4.96 eine Urkunde,[4] Verleihung eines Burglehens zu Tangermünde 4.10.97;[5] an demselben Tag eine Schuldverschreibung,[6] 15.9.96 einen Antrag an seine Räte[7] und andere Akten 1497 und 1498.
Daß Johann Cicero hier eine Münzstätte gehabt haben soll, ist trotz der Angabe des Peter Hafft unwahrscheinlich. Das flache Land war für eine Münzstätte zu unsicher. Eine Chronik des Pfarrers Ideler aus dem Jahre 1712, welche im Original freilich nicht mehr existiert, aber im Auszug in den Aufzeichnungen des Geheimrates Beckmann[8] enthalten ist, hegt ebenfalls Zweifel. Diese Chronik sagt: „Man will sonst auch von Pankowgroschen sagen, ist aber ungewiß, wie weit der Sage zu trauen. Soviel ist jedoch gewiß, daß ein stahlerner Stempel mit Brandenburgwappen in der Erde allda gefunden.“ Wir wissen aber, daß die Prägung gewöhnlich einem privaten Münzmeister, und zwar in der Stadt Angermünde übertragen wurde. Die Münzen jener Zeit tragen alle nur das Wappen, aber keinen Ortsnamen. Es ist möglich, daß man damals von Pankowgroschen sprach aus einer uns nicht bekannten Veranlassung. Da wir nur auf die Nachricht des Peter Hafft  angewiesen sind, die Geschichte sonst aber von Pankowgroschen nichts berichtet, die Angaben des Peter Hafft im übrigen auch nicht immer glaubhaft sind, so ist eine Entscheidung mit Sicherheit nicht zu treffen.
Wie sich in unserer Zeit der Zug der reicheren Berliner Familien nach den westlichen Vororten wendet, so war in früherer Zeit die Liebe der Berliner auf Pankow und Nieder=Schönhausen gerichtet. In unserem Orte schufen sich die Patrizierfamilien Berlins herrliche Sommersitze. Wir sahen, daß Tyle Wartenberg 1372 hier bedeutenden Besitz erworben hatte, und daß selbst die Markgrafen hier Erholung und Ruhe suchten. Meynke Crusemark, ein Bürger Berlins, wurde am 26. Juli 1438 mit zwei Bauernhöfen, den zugehörigen Hufen, zwei weiteren Hufen und einem Kossätenhof belehnt.[9]

Frederich der Junge bekennen, daß wir unserem lieben getruwen Meynicke Crusemarcke zcu panckow zcwu hufen czween hufener hove und einen Kossetenhoff und daselbst in der mule sechs scheffel roggen mit allen frihiten in allermassen dieselben gute Cune Crusemargk, sein Vater seliger, vormals von der marggraweschaft innegehabt und auf ihn geerbt hat, gelihen haben. Wenn es auch sieh, das der genannt meyne Crusemarck ane menlich liebeslebenserben abginge oder sin Sone desgleichen, so haben wir katherinen, margarethen und Annen, geschwestern, des genannten meinigke Crusemargken tochtern, die besundere gnade getan, das sie sullich gute alle ire lebetage zum lipgedinge Inne haben.“

Das läßt andererseits aber auch auf die damals traurige Lage der Bauern schließen, denn diese Höfe waren sicherlich verfallen und von ihren Besitzern einst in der Notlage aufgegeben worden. Auch der Lehnsschulzenhof wechselte seinen Besitzer. Wir erfahren, daß 1453 die Familie Duseke ihren vielleicht schon Jahrhunderte hindurch besessenen Hof an die Familie des Berliner Bürgermeisters Blankenfelde veräußerte. Die Veranlassung des Verkaufs kennen wir nicht. Es ist möglich, daß beim Todesfall des Besitzers ein männlicher Erbe nicht lebte, und daher das Gut, welches ein Mannlehen war, in eine andere Familie übergehen mußte. Da die Familie Duseke aber, wie wir oben sahen, auch in anderen Dörfern Belehnungen besaß, so kann es sich auch im Interesse dieser Besitzungen um einen freiwilligen Verkauf gehandelt haben. Zwei Urkunden betreffen diesen Besitzwechsel. Nach der einen bestätigt der Kurfürst am 24. Dez. 1453 den den Bürgern Wilke und Hans Blankenfelde zu Berlin erteilten Lehnsbrief über das halbe Dorf Pankow, in der Urkunde heißt es:

„Der Kurfürst belehnt Wilke und Hans Gebrüder Blankenfelde mit dem Dorfe Seefeld …… sowie mit dem halben Dorf Pankow, dem dazu gehörigen halben obersten und niederen Gericht, freier Schäferei, dem halben Kirchenlehen, obersten und niederen Gericht über ihre Leute, Zinsen, Gebüschen, Weiden etc., wie diese Güter Ebel Duseke und früher Fotzenbart besessen hat. Datum Cölln am Freitag nach dem heiligen Pfingsttage 1455.“[10]

Durch diesen Besitzwechsel wurde der Lehnsschulzenhof ein herrschaftliches Gut. Der Hof und das Kirchenpatronat ist nicht wieder in den Besitz einer bäuerlichen Familie übergegangen. Magistrat, Männer der Wissenschaft, des hohen Beamtentums, ja selbst die Kurfürsten und Preußens Könige haben ihn nacheinander, bis er parzelliert wurde, besessen. Der Hof wird später „bonum“ (Gut) genannt.
Dadurch war aber auch das Patronat der Kirche, wie der Lehnsbrief ausdrücklich besagt, auf die Familie Blankenfelde übergegangen, aber nur die Hälfte des Patronats. Wer mag den anderen Teil des Patronatsrechts besessen haben?
Nach dem Landbuch Carls IV. (1376) war Wartenberg mit der zweiten Hälfte desselben belehnt worden. Von diesem Lehnsitz ist nun nirgend mehr die Rede. Wenn auch später ein Bauer Wartenberg wieder genannt wird, so haftet doch an dessen Hof kein besonderes Recht, so daß wir annehmen müssen, daß die spätere Bauernfamilie Wartenberg mit jenem Besitzer gleichen Namens vom Jahre 1376 keinen Zusammenhang hat. Achten wir jedoch darauf, daß im Landbuch ausdrücklich von den 12½ Hufen des Wartenberg gesagt wird, daß deren Besitz dem Magistrat von Berlin zustand „qui habent proprietatem“ und daß Wartenberg sie gleichsam nur auf Zeitpacht hatte, so liegt der Schluß nahe, daß Wartenberg oder seine Familie den Besitz der Hufen wieder an den Rat von Berlin zurückgegeben hatte. Das würde auch erklären, daß 1540 der Rat von Berlin als Mitpatron genannt wird. Die Hufen des Wartenberg wurden wahrscheinlich vom Rat zu Berlin einzelnen Kossätenhöfen zugelegt und diese zu Bauernhöfen dadurch gemacht. So läßt es sich auch erklären, daß in der Folgezeitin Pankow sich 14 bis 16 Bauernhöfe befinden, während das Landbuch Carls IV., wie wir sahen, Bauernhöfe im Ort noch nicht kennt. Nach dem angeführten Lehnsbrief war mit dem Gut auch die freie Schäferei, welche getrennt vom Gutshof lag, verbunden.

[1] R. C. I V 1 Seite 75.
[2] R. C., A. 9, 248.
[3] R. C., C. 9, 403.
[4] R. C., A. 10, 167.
[5] R. C., A. 16, 120.
[6] R. C., A. 19, 56.
[7] R. C., C. 2, 415.
[8] St.
[9] L. XVII 36. R. C. A. 11, S. 343.
[10] R. C., Suppl. I 305.

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