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Ein toter Dichter und ein machtversessener Präsident - oder: Jewgenij Jewtuschenko contra Wladimir Putin

PANKOW Seit Tagen führt das Russland des Wladimir Putin (s)einen Angriffskrieg gegen die ukrainische Bevölkerung und deren buchstäblich selbstgewähltes demokratisches System. Ein kleingewachsener und machtversessener russischer Präsident fühlt sich offenbar ähnlich dem weiland a…

26.02.2022·Redaktion
Jewtuschenko

PANKOW (26.02.2022) Seit Tagen führt das Russland des Wladimir Putin (s)einen Angriffskrieg gegen die ukrainische Bevölkerung und deren buchstäblich selbstgewähltes demokratisches System.
Ein kleingewachsener und machtversessener russischer Präsident fühlt sich offenbar ähnlich dem weiland an seinem Wahn und dem russischen Volk gescheiterte Kaiser Napoleon berufen, das von ihm beherrschte russische Reich zu neuer territorialer Größe zu führen.
Was hätte der russisch-sowjetische Dichter und Schriftsteller Jewgenij Jewtuschenko (1932-2017) dazu gesagt und geschrieben, der 1961 ein Gedicht veröffentlichte, das vor dem Hintergrund der Gefahr eines Atomkrieges zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion in kurzer Zeit weltbekannt wurde: „Meinst du, die Russen wollen Krieg?“.
Ein Gedicht, das Jewtuschenkos Credo wie kein zweites verdeutlicht: „Ein Dichter in Russland ist mehr als ein Dichter“. Und Natalja Solshenizyna, Witwe des Literatur-Nobelpreisträgers Alexander Solschenizyn, bekräftigte Jahre später: „(Jewtuschenko) war mehr als ein Dichter, weil er ein Bürger mit einer ganz klaren Haltung war“.

Jewtuschenko
Jewgenij Jewtuschenko (1932-2017) in Jahr 2009. Foto: Wikipedia

Und so formuliert Jewtuschenko schon in der ersten Strophe seine (nicht nur für Russen wichtige) Einsicht, die allerdings einem russischen Präsidenten namens Wladimir Putin vor dem Hintergrund seines Großmachtstrebens wohl mehr als gleichgültig ist:

Ich frage dich, für welchen Sieg?

Den russischen Soldaten frag,
er liegt dort wo er sterbend lag.
(...)
Die Russen brauchen keinen Sieg.
Meinst du, die Russen wollen Krieg?

Doch statt auf das von ihm regierte Volk der Russen zu hören und zugleich Jewtuschenko zu folgen, der einst mit öffentlichen Lesungen seiner (auch die damals in der Sowjetunion Regierenden, wie Partei- und Regierungschef Nikita Chrustschow) herausfordernden Gedichte Sportstadien füllte, hält es ein machtversessener Präsident Putin eher mit dem Reden-Duktus des einstigen Reichspropagandaministers der Nazis, Joseph Goebbels. Mit jenem also, der das Seine dazu getan hat, mehr als 8 Millionen ukrainischer Frauen, Männer und Kinder zwischen 1941 und 1945 unter dem Vorwand der „Eroberung neuer Lebensräume“ durch die deutsche Wehrmacht und durch Einsatzgruppen von SS, SD und Gestapo zu ermorden.

Und in der letzten Strophe des vom russischen Komponisten Eduard Kolmanowski vertonten Gedichts, das als Lied bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Helsinki 1962 stürmische Begeisterung auslöste und sich weltweit verbreitete und das wenig später vom Alexandrow-Ensemble der Sowjetarmee (!) ins Programm aufgenommen wurde, steht das Bekenntnis:

Meinst du, die Russen wollen Krieg?

Die Russen haben doch Verstand.
Sie haben einen Krieg gehabt,
viel tiefer, als ihr jemals grabt.
In Stalingrad fiel jede Wand -
für wen schrieb Tanjas Kinderhand?
Für Waffen gibts heut keinen Sieg.
Meinst du, die Russen wollen Krieg?

Angesichts dieser Gedichtzeilen (übersetzt von Gisela Steineckert) stellen sich Fragen, die wohl auch der (im Gegensatz zu Putin) großgewachsene Jewgenij Jewtuschenko überzeugt, überzeugend und lautstark, wie es ihm eigen war, stellen würde:

  • Wo hat Präsident Putin seinen Verstand ?
  • Was hat die russische Armee in der Ukraine „verloren“?
  • Was singt das weltbekannte Alexandrow-Ensemble wohl beim völkerrechts-widrigen Einmarsch in die Ukraine und während der von „Kaiser und Zar“ Putin erhofften „Siegesfeier“ in Kiew?  

Michael Hinze